Beiträge von Anton Koetsche

    Aaaalso, ich habe es ja nun schön öfter mal so gemacht. Man kann ja mittlerweile relativ sicher sagen, ob es über mehrere Tage eine entsprechende Wetterlage ungefähr in der Region geben wird.

    Man sollte am besten bereits am Vortag ins Zielgebiet fahren, denn dann ist alles entspannter. Oft verlagern sich die Gewitterschwerpunkte am selben Tag noch um ein paar hundert km, Spontanität ist als absolut Entscheidend.

    Italien dürfte meist ein ziemlich sicherer Call sein, ist aber auch Todesweit. Bei allen anderen Lagen ist die Floppgefahr umsomehr gegeben.

    Am besten ist es (wenn die Gewitter ungefähr im selben Gebiet sind) sich eine feste Pension zu nehmen als Ausgangspunkt. Ansonsten kann man natürlich auch immer nach dem Chasing noch suchen, aber da es selten die typischen Motels gibt wo man auch nachts einchecken kann wird das schwierig. Daher penne ich, wenn ich alleine unterwegs bin, einfach im Auto 😂😉.

    Aber wenn man bereit ist das bißchen Risiko und die Fahrerei auf sich zu nehmen ist es wirklich geil, besonders wenn es sich dann lohnt 🤤

    Und ich denke in den meisten Fällen gehen solche stationären Lagen über maximal 3 Tage, wenn das genau am Wochenende kommt dann geht das also auch als Arbeitender gut 😁

    Nicer Shice!! Wowzers!!! Wenn man beim richtigen Setup in die Vollen geht (Mehrtages-Chase mit allen bells and whistles), kann man in Südosteuropa gute Beute machen. Du bist auf bestem Wege zum nächsten Marco Korosec zu werden. Große Kunst! Well done! :thumbup:

    Ich danke dir sehr Karsten! :)

    Das war mal ein Setup wo man sowas versuchen konnte. Aber die Fahrerei ätzt, Slowenien oder Kroatien ist da wirklich der bessere Ausgangspunkt...mhhhh, gibts da nen Studienplatz für Meteorologie :/:D

    Sauber abgefangen!


    Ein wirklich netter Urlaub und definitiv viel mehr Plains-Feeling, als man das hier in Deutschland jemals (vielleicht von wenigen Ausnahmen abgesehen) geboten bekommt.

    Tja, da sind die geografischen und meteorologischen Gegebenheiten selten optimal hierzulande. Aber so weit wie bis nach Italien ist es nach Tschechien, Ungarn oder Östreich nicht. Und die Landschaft dort hat echt Plainsstyle! :gewitter

    Hallo liebe TSCler,


    die Gewittersaison neigt sich dem Ende, und in Deutschland wird es herbstlich. Trotzdem wartete der August am Ende nochmal mit einer brisanten Wetterlage auf, die Deutschland zwar aussparte (2020 like), aber dafür in weiten Teilen Süd und Osteuropas für schwere Unwetter sorgte.

    Am 28.08.2020 startete ich mit einem Freund von Leipzig aus Richtung Brünn. Dort sollte, in einem schönen Hotel, unser Ausgangspunkt für die kommenden Gewitterlagen sein.


    Völlig unverhofft bekamen wir bereits während der Fahrt nach Brünn eine sehr schöne Shelfcloud zu sehen. Die Stimmung war dementsprechend bereits etwas aufgelockert und wir werteten das als gutes Omen für die anstehende Tour ;)



    Besonders cool war der leuchtende Einschnitt oberhalb der Shelfcloud, man hatte das Gefühl tief in die Eingeweide des Gewitters schauen zu können.



    Angekommen im Hotel, und mit solchen Eindrücken im Rücken, war der Schlaf unruhig. Zurückdenken an das gesehene, Anspannung wegen der anstehenden Lage am nächsten Tag. Die morgendliche Analyse zeigte das erwartete Bild:



    Ein Trog war bis zur Iberischen Halbinsel vorgedrungen, auf dessen Vorderseite entwickelten sich zwei "Gewitterhotspots". Der eine in Italien, wo auf der Vorderseite eines Bodentiefs über Korsika warmfeuchte Mittelmeerluft in die Poebene strömte. Dieses Setup war besonders brisant, da dort akute Tornadogefahr herrschte - tatsächlich traten in Italien auch mehrere auf.

    Wir hatten uns allerdings gegen das Italiensetup und für die Underdoglage im Bereich Östreich Tschechien Ungarn entschieden. Beide Setups waren geprägt durch einen guten Overlap zwischen hoher Scherung und viel CAPE. Während die Position des Italiensetups klar war, variierte die Plazierung des zweiten Hotspots über Osteuropa stärker.




    Estofex hatte über Italien mit einem Level 3 gerichtet, während wir mit einem Level 1, bzw einem Rand Level 2 bedacht wurden.

    Den ganzen Tag über warteten wir nördlich von Wien. Zunehmend wurde klar: die Lage verlagert sich weiter nach Süden. Als gegen 15 Uhr bei Graz ein Gewittercluster auslöste zögerten wir nicht lange und fuhren Richtung Ungarische Grenze.

    Radar, Regenradar vom 29.08.2020, 15:00 Uhr - Steiermark | Wetter von kachelmann.


    Bis 17 Uhr hatte sich aus dem Südende des Cluster eine verdächtige Radarsignatur entwickelt. Uns wurde klar - das könnte die Zelle des Tages werden.

    Radar, Regenradar vom 29.08.2020, 17:00 Uhr - Burgenland | Wetter von kachelmann.


    Taupunkte in der Region in die sich die Zelle bewegen würde lagen bei 18 bis 21 Grad. Zusätzlich lag in Zugrichtung eine Bodenkonvergenz, die für Hebung sorgen sollte.

    Wir rauschten also weiter nach Ungarn, um die Zelle bei Lövö abzufangen. Trotz der ziemlich abgefuckten ungarischen Straßen erreichten wir rechtzeitig einen Standort, die Struktur am Horizont ließ uns auf mehr hoffen:



    Schemenhaft ist bereits die Aufwindbasis zu erkennen, einige Cumulus deuten zunehmende Labilisierung in Zugrichtung des Aufwinds an. An der Unterseite des alten Eisschirms schiebt sich eine neue Schicht Mammaten in unsere Richtung, ein sicheres Zeichen dafür, dass der Aufwind eine massive Verstärkung erfährt. Bodennah sind bereits Ansätze einer Wallcloud zu sehen.



    Zunehmend wird eine Trennung des Niederschlagskerns in RFD und FFD sichtbar. Das passiert, wenn der Höhenwind am Aufwind abgebremst wird und dort eine Absinkbewegung induziert. Der dadurch entstehende Niederschlagsbereich bildet sich (würde man in Zugrichtung des Gewitters stehen) an dessen Rückseite (Rear Flank Downdraft = RFD) . Der Forward Flank Downdraft (FFD) ist der Hauptniederschlagsbereich, er entsteht aus den in Zugrichtung abtransportierten Niederschlagspartikeln von Aufwind und Eisschirm. Im Bild ist der Entstehungsbereich des RFD in der Bildmitte im Bereich der tiefen Fracti zu sehen. Der FFD befindet sich Rechts vom Aufwindbereich,



    Surreal, in welcher kurzen Zeit sich die Zelle organisiert. RFD und FFD sind nun deutlich getrennt, Links über den Bäumen bis zur Bildmitte bildet sich die Shelfcloud des RFD aus. Weiter rechts, zwischen RFD und FFD ist bereits eine sehr tiefe Wallcloud sichtbar. Die Rotation über unseren Köpfen ist mit bloßem Auge zu sehen.



    Nun liegt sie in voller Pracht vor uns. Der gesamte Aufwindbereich rotiert, der Aufwindteller wird von der extremen Scherung in grandiose Strukturen geformt. Die Tailcloud, die sich von der Wallcloud (Bildmitte) aus Richtung FFD ersteckt kratzt am Boden. Den gesamten Entwicklungsweg zwischen den Einzelbildern seht ihr hier nochmal als Zeitraffer:


    DSC_9176_1 kleiner.mp4



    Die Zelle verstärkt sich zusehends, der Inflow rauscht über unsere Köpfe hinweg direkt in die Superzelle. Selbst als der Niederschlag nur noch wenige 100 Meter entfernt ist ballert uns noch der Inflow in den Rücken. Dieser zweite Zeitraffer wurde komplett weitwinklig aufgenommen. Da uns der RFD leicht südlich verfehlt (wir stehen genau im Inflowbereich) können wir die Zelle nah herankommen lassen, bis uns der RFD fast südlich passiert.


    DSC_9925 kleiner.mp4



    Jetzt aber schnell, wir entschließen uns trotz schlechter ungarischer Landstraßen nochmal davor zu bleiben. Auch aus Angst vor dem potentiell großen Hagel. Nach einer kurzen Flucht gewinnen wir nochmal etwas Raum für ein paar Bilder.



    Die toll organisierte Zelle, zusammen mit dem stärksten RFD und dem größten Hagel rauscht nun leicht nördlich an uns vorbei. Mehr als 3cm großen Hagel sehen wir (zum Glück) nicht, es waren deutlich größere Steine dabei, wie wir später auf Facebook zu sehen bekamen.



    Nach Durchzug konnten wir noch die tolle Rückseite mit Mammaten bestaunen.




    Und eine Blitzshow gabs auf der Rücktour natürlich auch noch, bevor uns ein irgendein Viech mit seeeehr gruseligen Geräuschen von dem dunklen ungarischen Acker vertrieben hat 8|

    Ganz 2020 like floppte die Lage am nächsten Tag natürlich, aber wir waren nicht böse drum. Dieser Trip hatte uns bereits alles gegeben, und wir brauchten eh Zeit zum Eindrücke verarbeiten ;)

    Vielen Dank fürs Lesen und schönen Abend/Morgen/Mittag (wann immer ihr das lest):saint:


    Anton

    Guten Morgen,


    zu der heutigen und morgigen Gewitterlage seien hier kurz ein paar Worte verloren. Eine sehr lange, schleifende Kaltfront überquert bis zum Samstagmittag weite Teile Deutschlands.




    Freitag:

    Der Freitag dürfte für Thüringen und Sachsen unspektakulär verlaufen. Niedrige Taupunkte durch Föhn, sowie synoptisch induzierte Absinkbewegung hemmen hier die Gewitteraktivität. Einzelne Modelle rechnen gegen Abend im Südwesten Deutschlands mit der Entstehung von Gewitterclustern, die im Verlauf der Nacht Thüringen überqueren. Diese Entwicklung ist jedoch unsicher, und diese Cluster sind vermutlich elevated, was das Gefahrenpotential auf Windböen beschränkt.

    Die größten Chancen auf Gewitter liegen nach aktuellen Berechnungen in Mecklenburg-Vorpommern, sowie dem nördlichen Brandenburg und Sachsen Anhalt. Hier sind die besten Taupunkte, im Tagesverlauf bildet sich außerdem ein Bodentief, welches mit Konvergenz am Boden den vorhanden synoptischen Hebungsantrieb unterstützt. Bei moderaten CAPE Werten und sehr guter Scherung (0-6km: 40-50kn) sowie lokal erhöhter SRH bis 260 m^2/s^2 werden sich alle entstehenden Gewitter schnell organisieren und zu Superzellen entwickeln. Einzelne Tornados sind nicht ausgeschlossen. Sollten die Gewitter elevated bleiben, sind diese Gefahren eher minimiert.


    Samstag

    Steht Samstag besser nicht zu spät auf. Der Kaltfrontdurchgang wird Samstag morgen stattfinden, durch starke synoptische Hebung und ein dünnes CAPE Profil ist die Entstehung von Gewittern im Bereich der Kaltfront nicht ausgeschlossen. In der nach wie vor gut gescherten Umgebung (0-6km: 40kn) besteht die Chance auf organisierte Gewitter. Vermutlich werden die Zellen elevated starten, und bei längerem Durchhalten Richtung Boden "vorarbeiten". Besonders Richtung Sachsen und Teilen der Tschechischen Republik sowie Polen werden im Tagesverlauf starke linienartige Segmente mit möglicherweise eingelagerten Superzellen simuliert. Diese Entwicklung ist bis morgen jedoch noch abzuwarten.


    Anton

    Moin,

    kurz ein paar Gedanken zur morgigen Wetterlage.

    Gewitterbildung ab dem frühen Nachmittag. Auslöser ist eine schleifende Kaltfront, möglicherweise Bildung eines schwachen Bodentiefs. Schwerpunkt sind vor allem Bayern sowie die Neuen Bundesländer und Niedersachsen.


    Zeitpunkt: ab ca.12 Uhr

    Zugrichtung: West > Ost


    Was ist dabei?

    Starkregen

    kleiner Hagel

    Windböen Um die 60kmh, lokal mehr.


    Ausgangslage/Parameter:


    Vorwiegend Einzel-/Multizellen oder Cluster, teilweise kleinere organisierte lineare Systeme

    0-1km Scherung: 10-15kn

    0-6km Scherung: 20-30kn

    CAPE: 500-800 J/kg, Richtung Bayern teilweise mehr.

    Zuggeschwindigkeit: 30kmh

    Höhere Taupunkte durch am Vormittag durchgehendes Regengebiet. Einstrahlungssituation danach beachten.

    Geeignete Radiosondenstationen: Meiningen ,Bergen, Lindenberg


    Ablauf/Unsicherheiten:

    Morgen Vormittag Durchzug einer Regengebiets, danach sonnig. Ab Mittag Bildung von Schauern und Gewittern bei eher schmalen Capeprofilen und moderater Scherung. Gewittermodus vorwiegend Einzel- oder Multizellen. Einzelne kleinere lineare Systeme möglich, besonders Richtung Brandenburg und Bayern. Aufwinde erreichen vielfach nicht die Tropopause. Gewitterhemmend könnten durch Absinkbewegung induzierte Inversionen sein, die die Aufwinde nach obenhin deckeln. Synoptische Hebung in den Nachmittagsstunden relativ homogen und schwach ausgeprägt.

    Konstante Anströmung von Harz und TW können für die Bildung von Leewellen sorgen, die die Gewitterbildung bzw. Abschwächung beeinflussen. Hierzu beispielsweise das Sattelitenbild beobachten.

    Die moderate Scherung mit weitestgehend graden Hodographen begünstigt am ehesten die Entstehung von organisierten Multizellen und Liniensegmenten. Die Gewitterstärke wird vor allem durch das schmale Capeprofil limitiert.

    Besonders das GFS simuliert in den Nachmittagsstunden die Bildung eines schwachen Bodentiefs im Harzraum, welches sich Ostwärts verlagert. Eine solche Entwicklung dürfte für einige stärkere Gewitter/ Cluster sorgen. Windfeld auf Konvergenzen überprüfen.


    Worauf morgen unbedingt geachtet werden sollte:

    -Einstrahlung

    -Lage von Konvergenzen (Windfeld)

    -Eventuelle Entwicklung von Bodentiefs im Auge behalten (am besten 3h Drucktendenz)

    - Soundings (Auf Inversionen achten)


    Anton

    Am Freitag steht eine sehr dynamische Gewitterlage an. Organisierte Zellen möglich. Schwerpunkte sind Mittel- und Südbayern, sowie Ostsachsen und Teile des östlichen Brandenburgs. Auslöser ist eine Kaltfront, die Mitteldeutschland bereits im frühen Tagesverlauf überquert.



    Zeitpunkt: In der 2. Tageshälfte (ab ca.14 Uhr)

    Zugrichtung: West > Ost, hohe Zuggeschwindigkeit


    Was ist dabei?

    Starkregen

    kleiner Hagel

    Windböen Zwischen 60-90kmh, lokal mehr. Hohe Windgeschwindigkeiten in den niedrigen Troposphären werden durch Gewitterabwinde zum Boden durchgemischt.

    Erhöhtes Potential für Superzellen im Raum Bautzen/Görlitz/Zittau sowie leicht östlich der Deutsch-Polnischen Grenze


    Ausgangslage/Parameter:

    Ostsachsen/Südöstliches Brandenburg...


    Einzel-/Multizellen, Potential zu einzelnen Superzellen. Linienbildung ebenfalls möglich

    Kanalisierungseffekte am Zittauer Gebirge sorgen in der Region für Wind aus SSW mit 10-15 Knoten. In 700hPa Windmaximum bis 50kn aus SW. Das erhöht die Werte der 0-3km SRH auf 150-180 m^2/s^2. In dieser Region erhöhtes Potential auf Superzellen. Trotz der eher hohen HKNs (1-1,5km) ist das Tornadopotential an gut organisierten Zellen leicht erhöht.

    0-1km Scherung: 10-15kn, durch lokale Effekte auch bis 20kn.

    0-6km Scherung: 40-50kn

    CAPE: 500-800 J/kg, teilweise 1000J/kg. Größere Unsicherheiten über die lokale CAPE Verteilung zwischen den Modellen -> Taupunkte im Nowcast beachten.

    Zuggeschwindigkeit: >40kmh, schnelle Verlagerung!

    Gute Synoptische Hebung erhöht die Chance auf Auslöse

    Weiter nach Osten Föhneffekte am Riesengebirge möglich, die die Gewitteraktivität zunächst hemmen (Taupunkte beachten)

    Gewitterauslöse vermutlich an Konvergenz orientiert, Windfeld im Nowcast beachten.

    Geeignete Radiosondenstationen: Meiningen ,Prag


    Später am Abend in Thüringen einzelne Schauer an der aus NW nachrückenden Okklusion möglich.


    Mittel/Südbayern...


    Vorwiegend Einzel-/Multizellen, vereinzelt Superzellen. Im Raum Südbayern später ebenfalls größere organisierte Cluster möglich.

    Grade Hodographen erhöhen die Chance auf Zellsplits.

    0-1km Scherung: 5-15kn

    0-6km Scherung: 25-40kn, Je weiter nach Süden desto weniger Scherung.

    CAPE: 600-1000J/kg, lokal bis 1400J/kg

    Zuggeschwindigkeit: >30kmh


    Ablauf/Unsicherheiten:

    Größtenteils bewölkt, Richtung Ostsachsen, Tschechien und Bayern dünnere Wolkendecke/Sonne

    Im frühen Tagesverlauf Durchgang der Kaltfront

    Unsicherheiten in Ostsachsen liegen vor allem in der CAPE Verteilung. Föhneffekte könnten die Gewitterbildung hemmen. Einige Modelle berechnen die Bildung eines Bodentiefs weiter nördlich. Das könnte die Advektion den energiereichen Luftmasse verstärken und auch weiter nördlich entlang der Deutsch-Polnischen Grenze Gewitterschwerpunkte setzen

    In Bayern könnte ein frühes einfließen der bodennahen Kaltluft die Gewitteraktivität in Mittelbayern hemmen. Richtung Südbayern sind durch erhöhte Einstrahlung und Hebung Gewitter ziemlich sicher.


    Worauf morgen unbedingt geachtet werden sollte:

    -Taupunkte

    -Lage von Konvergenzen (Windfeld)

    -Eventuelle Entwicklung von Bodentiefs im Auge behalten (am besten 3h Drucktendenz)

    - Soundings


    Die Lage kann sich bis morgen noch ändern.

    Updates morgen im Kalendertermin


    Anton

    Hallo zusammen,


    ich möchte an dieser Stelle den, in vorherigen Beiträgen bereits schön zusammengefassten 01.07.2020, nun auch aus meiner Perspektive schildern.


    Ursprung der Gewitter war ein Wellenstörung, deren Kaltfront sich im Tagesverlauf langsam Richtung Osten schob. Durch deren langsame Verlagerungsgeschwindigkeit (schleifende Front), würden sich an der Kaltfront noch weitere kleinere Wellen bilden. Diese würden für die Auslöse sorgen.



    Am Vortag gab es einige Unsicherheiten, insbesondere in Bezug auf Einstrahlung hinter der Warmfront und den Effekten von Thüringer Wald und Harz.

    Auch der Schwerpunkt der Gewitter ließ sich noch nicht genau eingrenzen, da diese kleinräumigen Wellenstörungen von den Modellen in verschiedensten Variationen über Deutschland drapiert wurden.

    Durch den guten synoptischen Hebungsantrieb würde sich das moderate CAPE Profil jedoch weiter labilisieren. Sollte am nächsten Tag genug Einstrahlung vorhanden sein, würde die Frage nicht "ob" lauten, sondern "wo" und "wann".

    Jedes entstehende Gewitter würde sich dank einer beachtlichen DLS von ~40kn rasch organisieren, Superzellen waren möglich. Die Zuggeschwindigkeit der Zellen von >40kmh machte eine gute anfängliche Positionierung entscheidend. Besonders Abseits der Autobahn würde es schwer werden, davor zu bleiben.


    Der nächste Tag präsentierte sich weitest gehen sonnig, das Einstrahlungsproblem schien aus der Welt. Die 12z Temps zeigten alle eine schwach labile bis indifferente Schichtung, die sich durch Hebung und Einstrahlung weiter labilisieren würde.

    Temperatur, 850hPa, Messwerte Deutschland vom 01.07.2020, 14:00 Uhr | Messstationen Luftqualität


    Gegen 16 Uhr deutete sich dann die Entstehung der erhofften Wellenstörung an, gut erkennbar im Druckfall, Wind, und Satfilm.

    Luftdruckänderung, 3std, Messwerte Deutschland vom 01.07.2020, 16:00 Uhr | Wetter von kachelmann.


    Diese Verlagerte sich schnell nach Osten und brachte gegen 17 Uhr bei Hannover eine erste Gewitterlinie hervor, die auch immer wieder Zeichen von Rotation zeigte.
    Radar HD+, Regenradar vom 01.07.2020, 19:00 Uhr - Sachsen-Anhalt | Wetter von kachelmann.


    Meinen Ursprünglichen Standort hatte ich bei Dessau-Roßlau gewählt. Da sich die Auslöse weiter im Süden jedoch etwas verzögern würde, wollte ich nun besagte Linie bei Magdeburg abfangen. Gegen 19 Uhr bekam ich zum ersten mal Sicht.



    Schön zu sehen die Hauptlinie im Hintergrund, und die vorlaufende Auslöse mit deutlicher Absenkung (Wallcloud) unter der Basis.



    Schnell formierte sich die vorlaufende Zelle, auch die nachlaufende Linie machte Strukturell was her. Das ist ja das geile an gut gescherten Lagen.

    Auf dem Radarbild zeigte die vorlaufende Zelle ein deutliches Hakenecho, kein Wunder, die Rotation war mit bloßem Auge sichtbar.

    Radar HD+, Regenradar vom 01.07.2020, 19:10 Uhr - Jerichower Land | Wetter von kachelmann.




    Die Wallcloud machte optisch echt was her, war jedoch leicht nördlich von mir, die große Linie kam hingegen aus Westen. Am rotieren war nicht nur die Zelle, sondern auch ich mit zwei Kameras, während ich versuchte beide Gewitter würdig zu porträtieren



    Die stark eingedrehte Zelle und die wunderbar strukturierte Wallcloud machten mich sprachlos. Die Rotationsgeschwindigkeit war unbeschreiblich, dieser Zeitraffer entspricht einer Realzeit von 40!!! Sekunden.


    Stabi zeitraffer.mp4


    Auffällig war jedoch, dass trotz der extremen Scherung und Rotation in den höheren Schichten, die untere Hälfte der Wallcloud praktisch nicht rotierten. Deutliches Zeichen dafür, dass die LLS (Low Level Shear) und die SRH (Strom Relative Helicity) in den untersten Schichten nicht gut ausgeprägt waren. Eine entsprechende Zelle mit höherer LLS hätte sicher zügig den ein oder anderen Funnel ausgebildet.


    Ein Blick nach Westen zeigte: "Hoppla, da kommt ja auch noch was"



    Die Linie zeigte nun wieder sehr deutliche Rotationsanzeichen, sowohl optisch als auch auf Radar. Unmittelbar über Magdeburg begann meiner Meinung nach die Entwicklung zur Superzelle. Im Doppler war Rotation sichtbar und das charakteristische Ausscheren aus der allgemeinen Zugrichtung begann.

    Im Bild sind schön der gut ausgeprägte RFD nebst sich andeutender Wallcloud rechts davon zu erkennen. Am rechten Bildrand sind Reste der ursprünglichen Linie zu erkennen, an deren Südseite sich die Zelle entwickelte.



    Die RFD Shelf beschleunigt nun direkt auf mich zu, den ersten RDF Ouflow bekomme ich relativ früh zu spüren. Rechts davon ist die Wallcloud nun deutlicher als relativ massive Absenkung zu erkennen.



    Ich lasse mich überrollen, die Soundings hatten bereits gezeigt, dass kaum Potential für großen Hagel vorhanden war. Die Windböen waren mitunter jedoch recht ordentlich, in Magdeburg hatte es dementsprechend auch einige Schäden gegeben. Von dem vermeintlichen Tornadoverdacht halte ich übrigens nichts, für mich waren das ganz klar "straight line winds "


    Die nächsten Zellen lösen mittlerweile weiter südlich aus, hinterher! Ein kurzer Stopp für einen Blick auf die Rückseite der Magdeburg-Zelle muss jedoch sein:



    Ist da etwa der Monster-Wedge drin 8|? Nein! Trotzdem schön zu sehen, wie sich der RFD um die Wallcloud wickelt. Ich glaube man sollte für die fehlende LLS dankbar sein, sonst wäre es wohl deutlich gefährlicher geworden an diesem Tag.


    Aber jetzt schnell weiter nach Süden, die Zelle zwischen Bernburg und Halle lebt nun schon eine Weile. Markus, Felix L. und Marco standen perfekt und konnten diese sehr schön in ihrer Anfangszeit ablichten! ich werde versuchen, sie bei Dessau Roßlau abzufangen.

    Radar HD+, Regenradar vom 01.07.2020, 20:10 Uhr - Sachsen-Anhalt | Wetter von kachelmann.



    Auch hier sieht die Zelle noch sehr schick aus. Die Junikäfer und das dauerhafte Grollen macht die entspannte Stimmung perfekt.



    Die noch aktive Wallcloud am Südende, die sich entwickelden Shelf, Sonne scheint von hinten durch, ä Traum.



    Allmählich überrollt mich der FFD, aber es ist einfach zu schön um abzubrechen. Dafür hab ich ja ne Kofferraumklappe ;)



    Sozusagen der Blick von der Seite in den RFD



    Der FFD überrollt mich, ich sprinte nochmal nach Süden, um zu schauen was die Zelle so im Kern dabei hat. Starker Wind und kleinkörniger Hagel, ansonsten viel Regen.


    Youtubevideo zu diesem Chasing:


    Viele Grüße :saint:

    Anton

    Bis wann sind die NLC hier in unseren Breiten denn regelmäßig zu beobachten? Man liest ja immer was von Juni/Juli, aber habt ihr da konkrete Erfahrungswerte ab wann es größtenteils "vorbei" ist?

    Ja, wunderbare Aufnahmen und schöner Bericht. Den ich so nicht hinbekommen würde...


    Chapeau!


    Kann man denn dort besser verfolgen, oder ist es auch so hügelig wie hier?

    Dankeschön! Die Region ist auch relativ hügelig, viele Einfahrten enden direkt im Privatgrund von irgendjemandem. und Nord/Süd Verlagerung zwischen Rosenheim und Landshut geht fast nur über Landstraße.

    Trotzdem findet man erstaunlicherweise überall gute Standorte. Liegt hauptsächlich daran, dass nicht jeder Hügel komplett bewaldet ist.

    Hallöchen,

    obwohl es schon ein paar Berichte gibt, geb ich hier auch nochmal meine Erlebnisse vom 10.05 zu Protokoll.

    Zur Wetterlage:

    Das Bodentief, welches sich am Samstag über Bayern gebildet hatte, verlagerte sich im Lauf der Nacht weiter nach Norden. Dabei wurde feuchtwarme Luftmasse aus Bayern nach Ostdeutschland advehiert.


    Insbesondere im Osten Thüringens und südöstlich von Leipzig lagen die Taupunkte teilweise bei 13°C. Nördöstlich von Leipzig lag eine noch deutlich trockenere und kühlere Luftmasse. Dies zeigt sich an dem relativ scharfen Theta-Ae Gradienten knapp südlich des Bodentiefs, welcher gleichzeitig die Lage der Kaltfront dieses Tiefs in 850hPa markiert. Bodennah war diese deutlich am Windsprung und der damit verbundenen Konvergenz sichtbar (Hier im Bereich von Leipzig): Windrichtung, Messwerte Deutschland vom 10.05.2020, 14:00 Uhr | Wetter von kachelmann.

    Die CAPE Verteilung variierte lokal relativ stark, dies war insbesondere aus Forecastsoundings des Cosmo-DE zu entnehmen. Die besten Bedingungen zeigte ein Streifen in der Region Borna/Grimma/Colditz.

    Begünstigend war dort weiterhin eine moderate Windscherung. mit einer bodennahen komponente aus S/SO.


    Ich verlagerte mich bereits gegen 14 Uhr in den Bereich der "potenteren" Luftmasse, sobald der Wind aus Westen kam rückte ich noch ein Stück weiter nach Osten, denn ich wollte mich östlich der Konvergenz positionieren (Windräder sind da wirklich nützlich).

    Nach ein paar kräpligen Versuchen bei Grimma konzentrierte ich mich auf diese Zelle nördlich von Borna...die nichtmal geblitzt hat, denn hier verhinderte eine Inversion hochreichende Konvektion: Radar HD+, Regenradar vom 10.05.2020, 16:45 Uhr - Leipzig | Wetter von kachelmann.


    Strukturtechnisch gefiel mir dieser nicht blitzende Aufwind jedoch ganz gut, grade im Zeitraffer ist eine leichte Rotation zu erahnen


    LP kleiner.mp4


    Diese Zelle lag am Nordende der Konvergenz. Noch während der Zeitraffer lief, verstärkte sich in der Nähe von Zeitz eine Zelle aus dem Cluster, welches sich von Thüringen nach Osten verlagerte.

    In der Hoffnung, diese könnte das rennen machen (Cosmo-DE hatte ähnliche Entwicklungen angedeutet) verlagerte ich mich weiter nach SO, in die Nähe von Bad Lausick.

    Radarbild: Radar HD+, Regenradar vom 10.05.2020, 17:35 Uhr - Leipzig | Wetter von kachelmann.


    Anfänglich war links des Niederschlagsbereichs eine relativ diffuse Basis zu erkennen



    Diese intensivierte sich im weiteren Verlauf, und saugte stetig Fractus aus dem Niederschlagsbereich an.



    Der Zeitraffer zeigt die Dynamik dahinter ganz gut:

    Rapsfeld kleiner.mp4


    Um mich über die Landstraßen nochmal davorzusetzen musste ich mich schnell verlagern. Mittlerweile hatte sich das Südende weiter verstärkt, die Zelle schien sich aufzuteilen, bei diesem Windprofil sollte die südliche Seite dominieren.

    Kurz hinter Colditz stoppte ich, um einen Blick auf die Südseite zu bekommen. Die Struktur ist nicht rein Outflowdominant, hier ist hinter dem Niederschlag eine Art Wallcloud erkennbar, im Zeitraffer weiter unten ist auch erkennbar, wie Fractus angesaugt wird. Der Mesotracker von Kachelmannwetter zeigte ebenfalls deutliche Signaturen: Aufwind/Mesozyklonen-Index | 3D-Radaranalyse vom 10.05.2020, 18:25 Uhr - Leipzig | Wetter von kachelmann.


    Gegen Ende wird die Zelle zunehmend Outflowdominant und zeigt shelfcloudartige Ansätze

    Shelf kleiner.mp4


    Ein letztes mal davorgesetzt - Die Zelle haucht schnell ihren Atem aus, je weiter sie ins Erzgebirgsvorland zieht. Alles in allem ein sehr schönes Chasing! :)


    Guten Morgen liebe Freunde,


    heute möchte ich euch von meinem ersten größeren Chasing 2020 erzählen. Zielgebiet sollte die Region rund um Landshut sein - von Leipzig aus eine Strecke von fast 400km. Bestärkend zu diesem Wahnsinn kam die unglaublich diffuse Wetterlage hinzu.



    In einer sehr homogenen, fast schon antizyklonalen Höhenströmung sollte sich in den frühen Nachmittagsstunden ein Bodentief im südöstlichen Alpenvorland bilden, welches mit seiner Bodenkonvergenz für genug Hebung sorgen könnte. Eine für Gewitter entsprechend potente Luftmasse würde zuvor durch eine relativ diffuse Warmfront nach Südbayern advehiert werden.


    Die CAPE würde in einem relativ kleinen Bereich lokal Werte von fast 2000 J/kg erreichen - die Auslöse dürfte jedoch mal wieder das Hauptproblem werden.

    Forecastsoundings prognostizierten eine relativ penetrante Absinkinversion in 800hPa, welche Gewitter zwar super isoliert, dieselben aber auch komplett verhindern kann.


    Scherungstechnisch war die Vorhersage zwischen den Modellen sehr unterschiedlich - viele kleinere Störungen in der Höhenströmung machten in einer Spanne von 20kn-40kn (0-6km Scherung) alles möglich. Dazu kam ein relativ grader Hodograph, der sowohl die Möglichkeit auf Left- als auch auf Rightmover offen lässt.


    Etwas Hoffnung ruhte auf den kleinen Störungen, die sich in dieser recht homogenen Strömung bilden und für genug Hebungsantrieb sorgen könnten. Leider sind die für die Modelle richtig schwer zu prognostizieren.


    Es würde also ein sehr unsicheres Pokerspiel werden, soviel war sicher.

    Aber der Sprit war günstig - Also fuhr ich los.



    Kurz vor meiner Ankunft bei Landshut gegen 12Uhr MESZ bildeten sich an der Bodenwarmfront bereits ein paar hochbasige Gewitter - ein gutes Zeichen. Der Regen und die danach scheinende Sonne sorgten im nu für Saunafeeling. Nach einem kurzen Nowcasting wurde schnell klar - weiter südlich sieht es besser aus. Nachdem nun auch mein Kumpel Sebastian aus Rheinhessen dazugestoßen war, gings auf Richtung Rosenheim - die 100km machens auch nicht mehr fett.


    Bereits aus der Ferne wurden über den Alpen erste gut gekippte Aufwinde sichtbar...Voller Vorfreude ging es weiter, tief hinein ins Alpenvorland.


    Etwas nördlich von Rosenheim beobachteten wir die ersten "ernsthaften" Gewitter - diese hingen jedoch weit im Alpenkamm, dennoch reichte es für die ersten paar Donner.


    Auch im Alpenvorland zeigten sich erste mächtig werdende Cu´s. Da sollte doch was gehen.


    Der 12z Temp von München zeigte gute Instabilität, allerdings auch die vielen kleinen Inversionen, welche weiter östlich tendenziell stärker ausgeprägt waren. An einer davon faulten auch diese Cu´s konsequent ab.

    CAPE, Messwerte Deutschland vom 09.05.2020, 14:00 Uhr | Messstationen Luftqualität


    Wir wussten also warum wir noch keine Gewitter außerhalb der Alpen zu Gesicht bekamen...aber würde sich das ändern? Die Stunden strichen dahin, Quellungen kamen und gingen, 15 Uhr, 16 Uhr, 17 Uhr, und nichts passierte. Gegen 18 Uhr - der Himmel plötzlich wie leer gefegt. Nur noch flache Ac, keine neuen Quellungen...wars das jetzt?

    Ernüchterung machte sich breit, die Wahrscheinlich mit nichts als ein paar Quellungen den 500km Rückweg anzutreten wuchs minütlich.


    Gegen 18 Uhr keimte erneut Hoffnung, wie durch ein Wunder keimten erneut Cu, die schnell wuchsen und nun auch ersten Niederschlag produzierten. Sah zwar optisch noch nicht nach viel aus, aber wir waren wieder im Rennen.

    Radar HD, Standort Isen - Radarbild vom 09.05.2020, 18:30 Uhr | kachelmannwetter


    In der Nachanalyse wird der eigentliche Grund für dieses "revival" sichtbar:

    Ein praktisch unsichbarer Minitrog, nicht mehr als eine kleine Störung, hier direkt an der Grenze zu Östreich (links neben der 568 gpdm Zahl) hatte sich gebildet und sorgte für Hebung (Negative Werte). Hier den zeitlichen Versatz beachten, gegen 18 Uhr (16UTC) lag dieser Trog noch weiter westlich.


    Mittlerweile ist es kurz vor 19 Uhr, die Basis einer Quellung wird zunehmend massiv, erster Niederschlag fällt. Als plötzlich das erste Donnergrollen über die Landschaft rollt, können wir unser Glück kaum fassen.


    Innerhalb von 15 Minuten explodiert diese kleine Zelle und fängt an, schnell nach Norden auszuscheren. Unsere einzige Hoffnung ist eine flotte Verlagerung.

    Radarbild 18:55: Radar HD, Standort Isen (Mitte) - Radarbild vom 09.05.2020, 18:55 Uhr | kachelmannwetter

    Radarbild 19:10: Radar HD, Standort Isen (Mitte) - Radarbild vom 09.05.2020, 19:10 Uhr | kachelmannwetter


    Als wir endlich davor stehen, zeigt sich die Zelle in voller Pracht, der freistehende Aufwind, die glatte Basis, rechts davon blauer Himmel und untergehende Sonne. Dazu Grillenzirpen, Donnergrollen...gibt es etwas schöneres? Diese Zelle ist übrigens ein Leftmover, heißt sie rotiert antizyklonal. Am einfachsten sieht man das (zumindest wenn man in Zugrichtung der Zelle steht) daran, dass der Niederschlagsbereich links vom Aufwind liegt.


    Nicht nur von Menschen werden wir Stormchaser oft argwöhnisch beäugt...



    Die abziehende Zelle im Abendlicht erzeugt eine magische Stimmung, wir stehen nur da und genießen...


    Rückseitig wird der eingedrehte Aufwind besonders gut sichtbar.


    Zeitraffer (falls der Anhang funktioniert): LP noch kleiner.mp4


    Wir besinnen uns auf einmal darauf, dass wir ja Chaser sind, und verfolgen die Zelle noch bis in die Nähe von Waldkraiburg, mittlerweile sieht sie aber nicht mehr so gut aus, auch die Sonne geht langsam unter. 20:30 - Sebastian bleibt noch ein bisschen da und fotografiert, ich muss eh nach Norden, daher schaue ich mir nochmal eine Zelle an, die grade an Landshut vorbeizieht.


    20:45 (Radar HD, Standort Isen (Mitte) - Radarbild vom 09.05.2020, 20:45 Uhr | kachelmannwetter) westlich von Vilsbiburg. Die Basis auf der linken Seite sieht ziemlich solide aus, im Niederschlag zucken erste Blitze. Die Zelle scheint fahrt aufzunehmen.


    Wolkenblitze zucken mittlerweile fast sekündlich, Donnergrollen, Grillen und Kirchturm-Läuten erzeugen eine mystische Stimmung.



    Mittlerweile sind die Blitze fast über meinem Kopf, da jedoch kaum nahe Erdblitze einschlagen, riskiere ich noch ein paar letzte Fotos direkt nach oben:



    Noch völlig geflasht (hihi) lasse ich die stark nach Süden ausscherende Zelle über mich ziehen und warte auf die Rückseite...zum Vorschein kommt der freistehende, vom Mond beleuchtete Eisschirm und die darunter zuckenden Blitze



    Selfietime:


    Der berühmte "Lampenschirm"



    Und dann kam was kommen musste...die 4h Heimfahrt... Aber Halleluja, das war es sowas von Wert!

    Danke fürs Lesen, bis bald.


    Anton

    Hallo zusammen,

    die ersten echten Gewitterlagen stehen ins Haus, und am 29.04.2020 gab es bereits einen guten Vorgeschmack!


    Der Regen vom Vortag hatte für Taupunkte um die 10-12 Grad gesorgt, kein Vergleich mehr zu der apokalyptisch trockenen Luft aus den vorhergegangenen Wochen. Hebungskondensationsniveau (Wolkenuntergrenze) lag dementsprechend niedrig. Unklar in den Modellen war nach wie vor die CAPE-Verteilung und die Höhe der Konvektion. Während ICON, SHD und GFS den Gewitterschwerpunkt eher in einem Streifen leicht nördlich von Leipzig sahen, rechnete das COSMO-DE auch weiter nördlich mit einer guten Luftmasse.

    Scherung war moderat vorhanden, auf jeden Fall genug für langlebigere Zellen. Interessant war die teilweise sehr gut ausgeprägte Low-Level Shear (Im Meiningen Temp nicht so gut sichtbar), in Verbindung mit niedrigen HKN´s könnte das interessant werden.

    Weitere Hürde war eine Inversion in 600 hPa, diese war umso stärker ausgeprägt, je weiter man sich nach Süden bewegte. Daher waren die Gewitter rund um Berlin recht Blitzintensiv, während rund um Leipzig und ich Sachsen Anhalt weniger Blitze zu verzeichnen waren.

    Im Temp von Meiningen sieht man genaugenommen zwei Inversionen, eine in 675, eine in 600 hPa. Dementsprechend in Thüringen nur ein paar leichte Schauer.

    Hier seht ihr den Lindenberg 18UTC Temp, als repräsentative Luftmasse weiter nördlich:

    Temperatur, 850hPa, Messwerte Deutschland vom 29.04.2020, 20:00 Uhr | Messstationen Luftqualität

    Die Inversion ist deutlich schwächer, mehr Cape verfügbar.


    Gegen 13:00 machte ich mich auf den Weg, und steuerte die Zellen zwischen Dessau-Roßlau und Bitterfeld Wolfen an. An der Abfahrt Thurland positioniert, ließ ich sie auf mich zuziehen.


    13:55: Zunächst wenig spektakulär, die regenfreie Wolkenbasis links vom Niederschlag ließ jedoch hoffen.




    14:08 Zelle scheint weniger organisiert, aber ich geb noch nicht auf. Außerdem ist eh nix besseres in der Umgebung, Fokus bleibt also auf dieser Zelle.


    14:14 Es tut sich was. Die Zelle wirkt auf einmal deutlich organisierter, über dem Rapsfeld wird schnell Fractus gehoben, mit bloßem Auge sichtbar. Wind kommt plötzlich von hinten, die Zelle bekommt Inflow. Die Wolkenbasis in der Bildmitte wird immer dynamischer.


    14:18 Zack, auf einmal züngelt ein Funnel nach unten. Schön sichtbar hier auch die eingedrehte Wolkenbasis rings um die Trichterwolke.


    Video vom Funnel findet ihr hier:


    So schnell wie sie kam ist sie nach ca. einer halben Minute wieder verschwunden. Bei genauem hinsehen erkennt man hier im Bild auch noch einen kleinen Zipfel. Der Zelle verliert jetzt schnell an Organisation, ich verarbeite das gesehene noch etwas und gönn mir den Platzregen im Auto. Auf der Autobahnauffahrt steht dabei 3cm hoch das Wasser...dabei is die neu...Muss dat so?


    Nach etwas weiterem Gekröse entscheide ich mich für den Rückweg, Abends ging es dann in die Zweite Runde.



    Den Anfang machte diese Zelle um 19:28, die südlich von Leipzig vorbeirauschte und auf der Rückseite einen schicken Amboss sehen ließ


    Eine weitere Zelle, die aus Richtung Halle heranzog schien auch interessant, daher positionierte ich mich davor.

    19:55 Sieht recht unspektakulär aus und blitzt nicht mehr, das Rapsfeld und die untergehende Sonne sorgen jedoch für eine tolle Stimmung.


    20:06 Die Szenerie wird zunehmend grandios. Die Zelle scheint nochmal etwas Inflow zu bekommen, Ansätze einer Shelf werden sichtbar.


    20:14 Zur Prime Time, Sonne versinkt hinter dem Niederschlagskern, die Shelf nimmt weiter Gestalt an. Die Stimmung ist unbeschreiblich schön und entspannt, als der erste und einzige Blitz längs durch die Wolken zuckt ist die Überraschung perfekt (natürlich nicht auf Foto gelandet der Sack...grins)




    20:33 Noch fix ein paar Schnappschüsse vorm überrollt werden. Schöne und unverhoffte Überraschung von dieser so unscheinbaren Zelle.

    Alles in allem ein sehr ereignisreicher Tag, definitiv ein geiles Chasing!