2021-05-10/11 GEWITTER

  • Sonntag 09.05.


    Anfang nächster Woche bahnt sich eine potentiell gewitterträchtige Wetterlage an. Bereits am Sonntag liegt Deutschland auf der Vorderseite eines ausgedehnten Troges, der sich von den britischen Inseln bis Nordafrika erstreckt. Die vorherrschende S-SW Strömung transportiert warmfeuchte Luftmassen nach Mitteleuropa. Am Sonntag scheinen Gewitter im Mitteldeutschen Raum jedoch weitestgehend ausgeschlossen, da wir noch durch trockenere, kontinentale Luftmassen aus SO beeinflusst werden. Auch synoptische Hebung im großen Stil bleibt durch die zu westliche Lage der Frontalzone aus, abgesehen von orographischen Effekten. Die energiereichere Luftmasse aus Südwesten greift nur auf den äußersten Westen/Nordwesten, sowie die BENELUX Staaten und Frankreich über. Dort sind am Sonntag mit Durchgang der Kaltfront Gewitter wahrscheinlich.



    Montag 10.05.


    Im Verlauf der Nacht von Sonntag zu Montag bewegt sich die Kaltfront Richtung Osten, im Verlauf des Montags kommt sie über Mitteldeutschland zum erliegen. Gefördert durch die über den Tag stattfindende Erwärmung bilden sich entlang der schleifenden Kaltfront voraussichtlich mehrere Bodentiefs, die durch das Konvergieren von energiereicher Luftmasse die Gewitterentstehung fördern können. Die Lage der Kaltfront am Montag Vormittag und die tagsüber stattfindende Einstrahlung, sowie orographische Effekte entscheiden über die genaue Lage und Stärke des/der Bodentiefs. Diese Entwicklung ist noch sehr unsicher und entscheidet maßgeblich über die Qualität der montäglichen Gewitterlage. Aktuelle Läufe von GFS und ICON rechnen eher mit der Ausprägung einer Tiefdruckrinne von Vogtland bis Berlin, mit CAPE Werten zwischen 400 und 900 J/kg und einem gut gescherten Windprofil. Aber Achtung: bereits eine geringfügige Timing-Änderung der Kaltfront kann sich positiv oder negativ auf die Lage auswirken, die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten!




    Dienstag 11.05.


    In bisherigen Modellläufen bleibt uns die Lage an der stationären Frontalzone auch am Dienstag erhalten. Obwohl sich die Lage der "Gewitterhotspots" am Dienstag bisher auf den Tschechischen und Südbayrischen Raum beschränkt, sollte die Lage weiter im Auge behalten werden, denn oben angesprochene geringfügige Lageänderungen von Bodentiefs und Frontalzone können zu einer entsprechenden Verschiebung der "Gewitterhotspots" führen. Die weitere Entwicklung zur Wochenmitte hin bleibt ebenfalls Abzuwarten, ein günstiges abschnüren des Höhentiefs über dem Mittelmeer könnte eine regen- und gewitterreiche Ostwetterlage begünstigen.



    STAND 07.05.2021 14:05

  • Update zur Gewitterlage am Montagabend.


    Morgen wird neben viel Sonne und einigen hohen Wolkenfeldern vielerorts wieder ein Sommertag erreicht, vereinzelt wird auch der erste Hitzetag mit über 30°C erreicht werden. Ursache dafür ist ein Trog über Westeuropa auf dessen Vorderseite mit einer kräftigen Südwestströmung sehr warme Luft herangeführt wird. im Bodendruckfeld bildet sich durch die Überströmung der Alpen ein Tief über Bayern. Auf dessen Nordseite dreht der Wind bodennah auf nördliche Richtungen, während über Bayern und Sachsen noch aus Südostwind weht.


    Diese Konvergenzlinie reicht von Bayern über Thüringen bis in den Raum Leipzig/Halle und weiter nach Berlin und bietet das Potential für kräftige Gewitter.


    Da mittlerweile sehr warme, feuchte und labile Luft eingeflossen ist, würde man der der Luftmassengrenze mit zahlreichen Gewitern rechnen, etwa entlang der höchsten pseudopotentiellen Temperatur von Franken über Thüringen bis nach Westsachsen.


    Die Konvektion wird aber weitestgehend unterdrückt werden, da in größeren Höhen, etwa 300hPa, ein starker Jetstream über uns liegt und wir an dessen rechten Ausgang liegen. Dies sorgt für kräftiges Absinken, was die Hebung entlang der Konvergenz ausgleicht.


    Daher sind die Modelle aktuell sehr verhalten, was Konvektion am morgigen Montag betrifft. Die Bedingungen wären grundsätzlich sehr gut. Eine bodennahe Konvergenz mit ausreichend Lablilität und guter Richtungs- und Geschwindigkeitscherung sprächen für organiserte Strukturen bis hin zu Superzellen. Die Auslöse wird aber aufgrund des Absinkens schwer. Die Modelle deuten im Idealfall eine einzelne Superzelle an, die am späten Nachmittag über Franken entstehen soll und entlang besagter Konvergenz nach Norden ziehen KÖNNTE. Diese würde am Abend das mittlere/östliche Thüringen überqueren und über das östliche Sachsen-Anhalt und Westsachsen nach Nordosten ziehen. Sollte es wirklich dazu kommen müsste im Bereich dieser Gewitterzelle mit Starkregen, schweren Sturmböen und größeren Hagel gerechnet werden. Aktuell ist diese Lösung recht unwahrscheinlich aber nicht auszuschließen.


    Ausblick:

    In der Nacht zum Dienstag sind entlang einer Kaltfront über dem äußersten Westen Thüringens erneut Gewitter mit Starkregen möglich, die aber zügig nach Nordwesten abziehen. Dienstag tagsüber setzt sich vor allem nach Osten nochmals die Sonne durch und es werden um die 25°C erreicht, während es in Westthüringen kaum 15°C werden. Die Luftmassengrenze verläuft von Süd nach Nord durch Thüringen. Entlang dieser Grenze und östlich davon sind nach aktuellem Stand ab späten Nachmittag heftige Gewitter möglich, die deutlich zahlreicher auftreten könnten als noch morgen. Ein Update dazu folgt im Laufe des morgigen Tages, wenn die aktuellen Modellläufe eingetroffen sind.

  • Markus

    Hat den Titel des Themas von „Gewitterlage 09-12.05.2021“ zu „2021-05-10/11 GEWITTER“ geändert.
  • Update für den 11.05.:

    Die Ausgangslage zu heute ist quasi unverändert. Eine kräftige Südstörmung in der Höhe ist vorherrschend und mit ihr sehr warme Luft, vor allem nach Osten hin. Weiterhin befindet sich durch die Überströmung der Alpen ein Bodentief über Bayern, was sich morgen zu einer Tiefdruckrinne auswächst, die von den Alpen bis zur Ostsee reicht. Darin zieht das Leetief nachmittags von Bayern nach Norden. Das sorgt dafür, dass der Wind am Boden aus nördliche Richtung dreht. Wir haben morgen also sehr gute Scherungsbedingungen, sowohl bzgl. Richtung als auch Stärke. Gleichzeitig wird die Luftmasse nach Osten, wo nochmals über 25°C erreicht werden, recht labil sein mit um 600 CAPE. Das nach Norden ziehende Tief sorgt für ausrechend Konvergenz und Hebung, die durch die Orographie nochmals verstärkt wird, so dass es ab dem Nachmittag über dem östlichen Thüringer Wald, Vogtland und Westerzgebirge zur Auslöse kommen kann. Wo genau das passiert in diesem Bereich ist von der exakten Zugbahn des Tiefs abhängig. Einige Modelle sehen die Auslöse eher im Westerzgebirge/Chemnitz, andere im östlichen Thüringer Wald. In jedem Fall ziehen die Zellen entgegen dem Bodenwind nach Norden, anfangs eher Einzelne gut organisierte Zellen mit der Gefahr von schweren Sturmböen, Hagel und Starkregen. Auf dem Weg nach Norden werden diese allmählich verclustern über das südliche Sachsen-Anhalt und Westsachsen Richtung östliches Sachsen-Anhalt und Brandenburg ziehen. Ab hier sollte Hagel dann nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Sollten sich die östlicheren Varianten durchsetzen, verschiebt sich dieser Bereich etwa 50km nach Osten. Nachdem die Gewitter durchgezogen sind, kommt es immer noch zu einzelnen Schauern oder es regnet mal länger.


  • ***UPDATE***


    Aktuelle Lage:


    Lasset die Einstrahlung beginnen! Aktuell starke Einstrahlung in Thüringen östlich von Erfurt und im gesamten Raum Sachsen:

    Satellit HD, Deutschland | Wetter von kachelmann.


    Dementsprechend steigen die Temperaturen in Sachsen und Thüringen zügig und die Taupunkte analog dazu. Ein Bodentief liegt über dem Dreiländereck SN/ST/BB und bewegt sich weiter Richtung Berlin. Hier schön im "eingedrehten" Windfeld zu sehen:

    Windrichtung, Messwerte Deutschland vom 11.05.2021, 10:00 Uhr | Wetter von kachelmann.


    Auf dessen W und SW Seite hat der Wind auf NW gedreht und maritime Luftmasse wird aus Richtung Ostsee herantransportiert. Diese erwärmt sich zwar auf dem Weg zu uns, trotzdem ist in den Temperaturen aktuell ein Sprung zu sehen, zwischen sehr warmer kontinentaler Luft in einer Achse Dresden-Berlin, und der sich anwärmenden maritimen Luft westlich davon:

    Temperatur 2m, Messwerte Deutschland vom 11.05.2021, 10:00 Uhr | Wetter von kachelmann.


    Zum weiteren Ablauf:


    Der nördliche Tiefkern bewegt sich weiter Richtung Berlin, währenddessen bildet sich im Tagesverlauf ein weiterer Tiefkern über Nordtschechien/Südsachsen aus. Dieses sorgt für eine Nordkomponente des Windes auf das Erzgebirge und bestimmt über den Entstehungsort der ersten Zellen. Hierfür das Windfeld und die dreistündige Drucktendenz im Auge behalten:

    Luftdruckänderung, 3std, Messwerte Deutschland vom 11.05.2021, 10:00 Uhr | Wetter von kachelmann.


    Die Modelle:


    SuperHD 0z ist sehr zögerlich mit den Gewittersignalen und beschränkt die Auslöse auf das Erzgebirgsvorland. Dieser Lauf gibt die aktuelle Bewölkung allerdings nicht gut wieder, der 0z ist daher eher zu vernachlässigen, dazu auch ein Kommentar von Janek:


    Arome (FHD) 3z hat eine deutliche Gewitteroption für Thüringen, erfasst die aktuelle Bodentiefentwicklung und damit das Windfeld nicht gut. Auch diesen Lauf würde ich daher nicht als Aussagekräftig erachten.


    ECMWFbase Swiss HD (EZ4) 0z erfasst sowohl die Bodentiefentwicklung als auch die aktuelle Bedeckung sehr gut. Temperatur und Taupunktverteilung passt ebenfalls, auch wenn die Taupunkte besonders Richtung Ostthüringen leicht zu hoch sind. Das Modell rechnet die Auslöse gegen 16 Uhr im Vogtland, mit anschließender NO Verlagerung von potentielle Superzellen Richtung Leipzig. Diesen Lauf würde ich als repräsentativ erachten.


    Rapid Update ICON-D2 (ID2) 6z erfasst die aktuelle Bodentiefentwicklung ähnlich gut wie das EZ4, ebenso die Taupunkt und Temperaturverteilung. Die aktuelle Bedeckung überschätzt das ID2 allerdings leicht. Die Auslöse im ID2 beginnt relativ spät gegen 18 Uhr im Dresdener Raum, mit einer relativ isolierten Zelle, die sich Richtung Berlin verlagert. Auch diese Option scheint für mich plausibel.


    Zusammenfassung:

    ID2 und EZ4 sind nach aktuellem Stand die besten Modelle für weitere Vorhersage. Das EZ4 ist für mich persönlich aktuell am glaubwürdigsten, weil es die Strahlungssituation am besten wiedergibt und damit den Schwerpunkt der neuerlichen Bodentiefentwicklung vermutlich am besten erfasst. Neuere Läufe des ID2 sind zu beachten, ebenso wie der 6z des SHD der noch vor auslöse verfügbar sein sollte.

  • Kurzes Dokumentationsvideo zur Superzelle in Sachsen am 11.05.2021



    - Höhepunkt etwas nordwestlich von Döbeln

    - nördlich der A14 fehlende Straßenoptionen

    - Starkregen & kleinkörniger Hagel

    - viel Strecke für wenig Struktur (Fazit: das nächste Mal eher ziehen lassen)


    LG Marco

  • Paar Bilder meines Chasings


    Gewitterzelle rückt von Gera aus Schleiz an .

    Standort Gera Leumnitz 18 Uhr



    Dann ging es weiter Richtung Chemnitz. Dort musste ich durch den Kern einer starken Zelle. Sichtweite war teilweise unter 50m und es gab starkes Aquaplaning.


    Nächster Standort bei Bebersdorf ( Östlich von Chemnitz ) stand ich eine Weile im trockenen. Dort traf ich einen tschechischen Chaser und wir beobachteten gemeinsam das Himmelstreiben.







  • Hallo zusammen,


    auch ich möchte noch ein zwei Bilder von meinem Chasing zeigen. Zunächst habe ich mich nördlich von Gera positioniert, um in alle Himmelsrichtung flexibel zu sein. Nach einer kurzen Besprechung mit Markus und Felix habe ich mich entschieden, die sich gerade entwickelnde Zelle nördlich von Hof (16:50 Uhr) anzufahren. Dazu ging es zunächst Richtung Süden. In Triptis angekommen stand ich jedoch direkt im Regen und ein Blick aufs Radar zeigte, dass wohl ein weiterer Cellsplit (oder von einer neuen Zelle) westlich von Plauen von statten ging.



    Es ging nun Richtung Osten aus dem Regen heraus, um einen besseren Blick auf das Gewitter zu erhalten. Die Entscheidung, die B175 Richtung Zwickau zu nehmen, war jedoch nicht optimal, da es länger gedauert hat als erhofft. Um 18 Uhr stand ich schließlich etwas östlich von Berga, schon fast unter dem Niederschlagsbereich, Ronny konnte das Gewitter von Gera wohl besser beobachten. Für ein paar Fotos hat es noch gereicht.



    Den Versuch nochmal zur A4 zu kommen und noch weiter zu chasen habe ich dann jedoch aufgrund von fehlender Optionen und den zähen vorankommen über die Landstraße schnell beendet und habe mich wieder auf die Heimreise begeben - unter anderem auch wegen der anstehenden Ausgangssperre.


    Fazit: Mehr Geduld in Gera wäre für diesen Tag wohl sinnvoller gewesen, im großen und ganzen hat das Chasing aber viel Spaß gemacht.

  • 1. Vorsitzender Thüringer Storm Chaser e.V.
    ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
    Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
    Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society

  • Hallo Leute,


    hier noch ein paar wenige Bilder vom Dienstag, dem 11.05.21, als ich natürlich auch unterwegs war. Erst bei Crimmitschau, dort kurzes Zusammentreffen mit Ronny, während der Fahrt dorthin traf ich Marco auf der A4-Piste. Ehrlich gesagt, ich musste schwer suchen, um überhaupt etwas zum Posten zu finden, zu schwach waren die Strukturen vor Ort. Ich hatte mir auch eine Grenze gesetzt, wie weit ich fahren wollte, Grenze Osttühringen /Sachsen, mehr Sinn sah ich dann auch nicht bei den teilweise verwaschenen Strukturen. Aber ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass es trotzdem schön war, wieder auf der Jagd zu sein. Zum Glück hat mich dann noch ein netter Naheinschlag hinter meinem Rücken aus meiner Lethargie erweckt und mir dann doch irgendwie noch das Chasing gerettet.


    Fazit: Zu weit gefahren für das Erlebte, aber das weiss man ja vorher nicht immer. Kosten Nutzen Faktor war diesmal ungenügend, aber das gleicht sich hoffentlich während der Saison wieder aus. Ausgangssperre wurde eingehalten....also alles konform ^^



    Zelle bei Rüdersdorf


    Panorama...alles sehr strukturlos



    "Rettender Naheinschlag" - Gopro Standbild --> Mega Schreck = Lebenserwartung Kay -5 Jahre :P



    Gruß und schönen Herrentag !

    Kay